Predigt zu den Denksprüchen der goldenen Konfirmanden am 15. 3. 2020

Liebe Goldene Konfirmandinnen und Konfirmanden,

Beim Blick auf Ihre Denksprüche, die Ihnen bei der Konfirmation vor 50 Jahren als Leitwort auf den weiteren Lebensweg mitgegeben worden sind, dachte ich: Was für ermutigende Worte! Geordnet habe ich sie nach der Reihenfolge der biblischen Bücher. Die Verse erinnern uns daran, dass keiner von uns seinen Lebensweg allein gehen muss. Gott geht mit.

Richter 5, 31 Die ihn aber liebhaben, sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht. Als Richterin führte Debora das Volk Israel in den Kampf gegen Kanaan. Gott schenkte Israel den Sieg und 40 Jahre lang Ruhe vor Angriffen. Die Zahl 40 ist für die Bibel das Bild für die Vollendung – wir wissen ja auch, dass Schwaben erst mit 40 g’scheit werden. Wer Gott liebt, wird gedeihen, singt Debora nach dem Sieg. Israel wandte sich in höchster Not Gott zu. Gott zeigt seine Liebe, wie er sie Jahrhunderte später in der Auferstehung Jesu am Ostermorgen zeigt: Die Nacht wird besiegt, der Tod überwunden. Not ist oft Anknüpfungspunkt für den Schrei nach Gott – zum Wachsen braucht Glaube aber Zeit, um zu reifen, um Erfahrungen mit Gott zu machen, im Rückblick manches klarer zu sehen und die Kraft der Gemeinschaft. Wie die Sonne Pflanzen wachsen lässt, stärkt Gottes Nähe alle, die ihm vertrauen.

Der nächste Denkspruch steht in Neh 8,10: Seid nicht bekümmert, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke. Zuvor wird erzählt, wie Nehemia und Esra die Israeliten auffordern zu feiern: Dieser Tag gehört Gott. Das Gesetz, das vorgelesen wurde, soll den Menschen helfen, Gott nahe zu bleiben. Wer Gott vertraut, bekommt eine andere Sicht auf das Leben und behält Mut und Zuversicht, dass Gott bewahrt und am Ende alles heilvoll zurechtbringt. Hieran knüpft Ps 43,3 Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten zu deiner Wohnung. Gottes Wort führt uns in sein Reich. Einen Vorgeschmack davon, wie es dort sein wird, bekommen wir, wenn wir hier in Nächstenliebe, gegenseitiger Achtung, Glauben und Vertrauen auf Gottes Nähe leben.

Ps 139, 5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Geborgenheit empfindet der Betende von Psalm 139: Gott ist um mich, in seiner Nähe kann mir nichts geschehen. Schon im Mutterleib kanntest du mich, sagt der Betende. Staunend, vielleicht ja auch ein wenig verängstigt, dass nichts Gott zu groß ist, nichts vor ihm verborgen bleibt.

Jes 49, 15.16 So will ich deiner nicht vergessen, siehe, in meine Hände habe ich dich gezeichnet, deine Mauern sind immerdar vor mir. Manche Menschen lassen sich etwas auf die Hand tätowieren. Es ist auf den Händen immer sichtbar und kann kaum versteckt werden. Es ist ein Bekenntnis, das Gott ablegt: Er sehnt sich nach uns, will uns nahe bei sich wissen, Gemeinschaft mit uns haben. Die Geschichte von Thomas, der die Wunden des Auferstandenen berühren darf, erinnert daran: Jesu Hände bezeugen Gottes Liebe zu uns.

Jer 17, 14 Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen; denn du bist mein Ruhm.

Mediziner verweisen manchmal auf Selbstheilungskräfte. Anders denkt Jeremia: Heile du mich, Herr, so werde ich heil, hilf du mir, so ist mir geholfen, betet er. Jeremia vertraut auf Gott und spricht ihm zugleich sein Vertrauen aus: Dann ist mir geholfen. Manche gehen in die Kirche und schöpfen Kraft aus vertrauten Liedern, Psalmen und Bibelworten und Gebeten. Andere lesen jeden Morgen einen Abschnitt der Bibel oder die Losung. All diesen Menschen ist bewusst: Nicht meine Fähigkeiten allein entscheiden über mein Wohlergehen. In vielen Fällen wenden sich Menschen in Krisen oder Notsituationen Gott zu. Jeremia erinnert daran, dass wir Menschen vieles können, Gott hat uns viel anvertraut, aber wir können nicht alles aus eigener Kraft bewältigen.

Joh 11, 28 Der Meister ist da und ruft dich. Viele Stimmen dringen auf uns ein, aus Zeitung, Radio, Pressekonferenzen, manche vertrauen dem Internet. Aber nur eine Stimme hat Macht über den Tod. Der Meister ist da und ruft dich: Jesu Ruf kann vom Tod retten. Er weckt Lazarus, ruft ihn aus dem Grab zurück ins Leben. Wer Jesu Stimme hört, lebt. Das sagt er auch Lazarus‘ Schwestern Maria und Marta: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben.

Röm 8, 35.37 Wer kann uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Unser Anwalt und Fürsprecher tritt buchstäblich für uns ein: Er nimmt auf sich, was uns vorgeworfen wird; bezahlt unseren Schuldschein, unsere Rechnung. Diesen "fröhliche Wechsel", wie es Martin Luther nennt, bringt Lothar Zenetti so zum Ausdruck: Einmal wird uns gewiss die Rechnung präsentiert für den Sonnenschein und das Rauschen der Blätter, die sanften Maiglöckchen und die dunklen Tannen, für den Schnee und den Wind, den Vogelflug und das Gras und die Schmetterlinge, für die Luft, die wir geatmet haben, und den Blick auf die Sterne und für alle die Tage, die Abende und die Nächte. Einmal wird es Zeit, dass wir aufbrechen und bezahlen. Bitte die Rechnung. Doch wir haben sie ohne den Wirt gemacht: Ich habe euch eingeladen, sagt der und lacht, soweit die Erde reicht: Es war mir ein Vergnügen!

1 Kor 2,9 Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Gekommen ist Christus, der Gekreuzigte, den zuvor niemand gesehen hat oder voraussehen konnte, und die frohe Botschaft von der Auferstehung, die zuvor nicht gehört werden konnte. Wir haben manchmal Probleme, unsere Mitmenschen zu verstehen. Missverständnisse entstehen dadurch, dass wir einen Menschen nicht verstehen, weil nur der Betreffende selbst die Gründe für sein Handeln kennt. Umso mehr gilt das für Gottes Handeln! Wir sprechen von "Gottes unbegreiflichem Ratschluss". Paulus verweist auf Gottes Geist, der die Glaubenden auf Gottes Plan und gute Gründe für sein Handeln vertrauen lässt. Bis heute erkennt mancher erst später und rückblickend Gottes Führung in seinem Leben.

1 Kor 15, 57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!

In der Bibel wird gesagt: Der Tod hatte einen Anfang. Und er wird ein Ende haben. Kain bringt den Tod durch den Mord an Abel in die Welt. Aber er wird ein Ende haben. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Dafür steht das Kreuz. Seitdem haben Menschen Grund zur Hoffnung: Der Tod wird ein Ende haben. Diese Hoffnung formuliert der Apostel Paulus in 1. Korinther 15 so: Der Tod ist besiegt. Gott sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!

Ihre Denksprüche erzählen eine Geschichte, die ein Ziel hat: Gott schenkt uns Freiheit, Leben und Segen. Ein Leben frei von Angst, im Vertrauen auf Gott, der uns kennt wie kein anderer und jeden Tag an unserer Seite ist.

Amen