Mit Jesus auf dem Weg nach Jerusalem IX: Das Gleichnis vom ungerechten Richter

Jesus wollte seinen Freunden deutlich machen, dass sie im Gebet nicht nachlassen sollten, auch wenn sie dachten, dass ihre Gebete nicht sofort erhört würden. Er überlegte sich eine Geschichte, mit der er seinen Freunden erklären wollte, wie wichtig Beharrlichkeit im Gebet sei. Er wollte ihnen erklären, dass sie nicht enttäuscht aufgeben sollten.

Jesus erzählte: „In einer Stadt gab es einmal einen Richter, dem egal war, was die Gesetze Gottes und die der Menschen von ihm verlangten. Er entschied nach eigenem Gutdünken – oder eben auch gar nicht! Zu ihm kam eine Witwe, um ihre Ansprüche gegen ihren Nachbarn durchzusetzen: Er weigerte sich, sie auf seinem Feld die liegengebliebenen Ähren einsammeln zu lassen, obwohl es ihr zustand.

 

Deshalb kam die Witwe zum Richter und verlangte von ihm, dass er dem Nachbarn die Anweisung gäbe, die Witwe nicht mehr von seinem Feld zu vertreiben.

Der Richter wies die Witwe brüsk ab: ‚Frau, ich habe keine Zeit für diesen Unsinn! Sieh einfach zu, wie du den Streit mit deinem Nachbarn ins Reine bringst!‘ fauchte er. Nur: Die Witwe kam immer wieder, ganz beharrlich und fest entschlossen, sich den ihr zustehenden Richterspruch nicht vorenthalten zu lassen.

 

 

Da wurde es dem Richter unbehaglich, zumal ihn schon der ein oder andere Nachbar schräg anschaute, weil die Witwe so oft mit finsterer Miene in sein Haus kam und jedes Mal wie ein wütender Stier wieder hinausstürmte.

Der Richter sorgte sich: ‚Sie wird ja mit jedem Mal noch wütender! Das ist nicht gut! Diese lästige Frau hat einen richtigen Dickschädel! Wenn ich weiterhin ablehne, ihr Recht durchzusetzen, wird sie mich am Ende vor lauter Zorn noch schlagen, und ich muss meinen Nachbarn erklären, warum mir eine wütende alte Frau ein blaues Auge verpasst hat! Wie stehe ich dann da?! Niemand würde mich dann noch respektieren! Also rufe ich mir diesen verflixten Nachbarn und schaffe mir diese leidige Angelegenheit ein für allemal vom Hals!‘“

Jesus fuhr fort: „Hört ganz genau auf das, was der Richter sagt! Ihm ist die Frau lästig, und er fürchtet sich vor ihr. Aber ihr seid Gott nicht lästig, und er hat auch keine Angst vor euch. Wenn der Richter der Frau hilft, nur um sie so schnell wie möglich loszuwerden, dann überlegt euch doch nur, wie viel schneller Gott, der euch liebhat, bereit ist, euch zu helfen!“

Dann seufzte er: „Ich frage mich aber, wie viele Menschen Gott so vertrauen?“

(Nach Lukas 18, 1-8)