Mit Jesus auf dem Weg nach Jerusalem V: Der reiche Mann und der arme Lazarus

Jesu Freunde hatten eine Frage: „So viele Menschen haben gesehen, dass du Wunder vollbringst, dass du Kranke geheilt und Lahme gesund gemacht hast – und trotzdem glauben nicht alle, dass du Gottes Sohn bist. Warum nicht?“

Jesus überlegte, wie er es seinen Freunden erklären könnte. Dann sagte er: „Ich möchte euch eine Geschichte von zwei Männern erzählen. Der eine war reich, er lebte ein sorgloses Leben und hatte alles, was er wollte. Ein schönes Haus, genug zu essen und zu trinken und einen schönen bequemen Stuhl. Er genoss sein Leben in vollen Zügen.

Nur eines störte ihn: Wenn er nach draußen ging, lag dort ein Bettler namens Lazarus und bettelte den Reichen um Essensreste an. Der Reiche kümmerte sich nicht um Gottes Gebote, die forderten, dass er sich um den Armen kümmern sollte. ‚Was kümmert mich Gott?‘ dachte der Reiche. ‚Mein schönes Leben habe ich mir verdient! Ich habe hart dafür gearbeitet und schulde niemandem etwas!‘

Lazarus war voller Geschwüre und konnte nicht gehen, aber er verlor nie die Hoffnung, dass er doch etwas abbekäme, auch wenn ihm meistens niemand etwas gab. Trotzdem war Lazarus nicht verbittert: ‚Gott sorgt für mich‘, dachte er, ‚ich bin nicht allein!‘ So blieb er vor dem Haus des Reichen liegen, auch wenn er oft von Hunden geplagt wurde, die an seinen Wunden schnüffelten.

Eines Tages kam ein Engel und brachte Lazarus zu Abraham und setzte ihn an Abrahams Seite. Lazarus war selig. Er musste nicht mehr frieren und hungern und hatte keine Schmerzen mehr.

Auch der reiche Mann starb nicht lange danach. Er gelangte nicht in Abrahams Schoß. Er hatte sein Leben fern von Gott gelebt. Er kam an einen Ort, an dem es ihm nicht gutging.

Einmal sah er Lazarus und Abraham und rief nach ihnen: ‚Abraham, bitte schicke mir doch Lazarus, dass er mir hilft!‘ Abraham antwortete: ‚Mein Kind, du hast Gottes Willen missachtet und dein Leben nur danach geführt, was du wolltest, ohne auf deine Mitmenschen zu achten oder Gottes Willen zu beachten. Lazarus hat einen anderen Weg gewählt und sich Gott anvertraut. Er kann dir nicht helfen.‘

Da bat ihn der Reiche: ‚Dann schick Lazarus bitte zu meinen Brüdern, um sie zu warnen, damit es ihnen nicht geht wie mir!‘ Abraham erwiderte: ‚Du wusstest, was die Gesetze Gottes von dir forderten, du kanntest die Worte der Propheten, und doch hast du Gottes Wort nicht hören und befolgen wollen. Glaubst du, dass es dich oder deine Brüder überzeugen würde, wenn Lazarus von den Toten auferstünde?‘

Jesus erzählte seinen Freunden die Geschichte, weil er wusste, dass er selbst von den Toten auferstehen würde, und dass es trotzdem Menschen geben würde, die seine Worte ‚Wer zu mir gehört, wird ewig leben‘ nicht glauben würden.

(Nach Lukas 16, 19-31)