Mit Jesus auf dem Weg nach Jerusalem IV: Die Geschichte vom klugen Verwalter

Jesu Zuhörer und Freunde waren einfache Menschen. Fischer, Handwerker, nur wenige hatten Geld. Oft wurden sie ausgelacht, wenn sie in eine Stadt oder ein Dorf kamen, weil sie keine schönen Kleider trugen und nicht viel Geld hatten. Manchmal waren seine Freunde deshalb traurig. Jesus sah das und erzählte ihnen deshalb eine Geschichte davon, was Gott wirklich wichtig ist: Nicht, dass jemand viel Geld und Besitz hat, ist Gott wichtig, sondern Gott will, dass derjenige mit seinem Besitz verantwortungsvoll umgeht und ärmeren Menschen hilft. Jesus erzählt:

Einem reichen Mann wurde gesagt, dass sein Verwalter sein Geld verschwende. Der reiche Mann rief seinen Verwalter zu sich und fragte ihn: „Kannst du mir deine Abrechnung vorlegen und beweisen, dass du mein Geld nicht zum Fenster hinausgeworfen hast?“

Der Verwalter erschrak. Er hatte hier ein Kälbchen mehr gekauft und seiner Mutter gegeben und da hatte er einige Säcke Saatgut für sich abgezweigt.

Er war verzweifelt. „Wenn mich mein Herr entlässt“, dachte er, „dann muss ich auch auf dem Feld schuften, Tag für Tag schwere Säcke schleppen, den Stall ausmisten, zur Erntezeit stundelang Getreide ernten in der größten Hitze und Garben binden, und trotzdem wird es nicht reichen, um die Pacht zu bezahlen, und ich werde jedes Jahr größere Schulden haben. Ich bekomme einen krummen Rücken und Sonnenbrand und einen Husten vom vielen Getreidestaub, und trotz aller Schufterei werde ich immer ärmer und meine Familie muss hungern!

Der Verwalter wusste, dass sein Herr viele Pächter hatte, die im Rückstand mit ihren Pachtzahlungen geraten waren. Einmal hatte es direkt nach der Saat eine lange Dürre gegeben, und das ausgesäte Getreide war nicht aufgegangen. „Das macht nichts“, hatte sein Herr großzügig gesagt, „dann bezahlt ihr mir nächstes Jahr einfach doppelt so viele Säcke!“ Und seinem Verwalter schärfte der Herr ein: „Und wenn sie noch so betteln und behaupten, dies sei ihr letzter Sack Getreide und wenn sie dir den gäben, müssten ihre Kinder verhungern – du musst mir meine Pacht bringen, du musst streng sein!“ Aber im nächsten Jahr war das Getreide verkümmert, und die Pächter hatten alle noch mehr Schulden beim Herrn. Der Verwalter überlegte eine Weile, dann zog seine Liste hervor und rief alle Pächter zu sich. „Wie heißt du?“ fragte er den ersten. „Elia“, antwortete der, „und ich schulde dem Herrn hundert Säcke Weizen. Das kann ich nie alles zurückzahlen!“

Der Verwalter schlug ihm vor: „Weißt du was, Elia, wir machen es so, dass ich aufschreibe, dass du nur fünfzig Säcke im Rückstand bist. Wie klingt das für dich?“ Elia wunderte sich, aber dann stammelte er überwältigt: „Vielen, vielen Dank! Wenn ich mal etwas für dich tun kann, sag mir Bescheid!“ Der Verwalter lächelte ihn an, gab ihm den neuen Schuldschein, auf den er „50 Sack Weizen“ geschrieben hatte, und murmelte: „Das mache ich, mein Freund!“

Dann suchte er den nächsten Pächter auf seiner Liste. „Hm, Jakob“, meinte er, „bei dir sehe ich, dass du noch Olivenöl an den Herrn liefern müsstest. Eine ganze Menge Öl.“ Jakob schluckte und stammelte: „Herr, es liegt daran, dass die Bäume in den letzten Jahren nicht genug Oliven getragen haben. Wir konnten kaum etwas ernten, und die wenigen Oliven waren klein und gaben nicht viel Öl. Aber dieses Jahr werde ich ganz sicher - “

„Jakob, ich habe einen Vorschlag für dich“, unterbrach ihn der Verwalter. „Schau mal, wir machen es so: Du gibst mir deinen Schuldschein, und ich mache aus hundert Fässern achtzig. Dann hast du zwanzig Fässer mehr, die du auf dem Markt verkaufen kannst, um deine Familie zu versorgen. Wie klingt das?“

 

Auch Jakob bekam also einen neuen Schuldschein und versprach dem Verwalter, dass er ihm auf jeden Fall helfen würde, wenn es in seiner Macht stünde, dem Verwalter einen Gefallen zu tun. Der Verwalter war sehr zufrieden: Wenn ihn sein Herr jetzt entlassen würde, dann hätte er Freunde, die ihm auf jeden Fall helfen würden, sodass er nicht verhungern musste.

Jesus erklärte seinen Freunden: „Der Verwalter hat klug gehandelt. Denn Gott gibt Menschen Geld oder Besitz, damit sie ihn so einsetzen, wie es der Verwalter getan hat. Gottes Auftrag ist: Helft anderen Menschen mit dem, was ihr habt, damit sie euch helfen, wenn ihr einmal in Not geratet. Denkt daran: Alles, was Gott euch gibt, gibt er euch, damit ihr damit anderen helfen könnt! Es ist klug, zu teilen und abzugeben von dem, was man hat.“

(Nach Lukas 16, 1-9)