Zwei oder drei: Gemeinsam statt einsam

Als ich gestern Abend eine Dokumentation im Fernsehen angeschaut habe, fiel ich beinahe vom Sofa: Da fällt einer einfach mehreren Menschen um den Hals! Viel zu gefährlich! Dann stach mir heute das Kalenderblatt ins Auge mit den beiden Menschen, die sich an der Hand halten und die aus den Worten „Gemeinde“, „gemeinsam“, „Geist“, „Miteinander“, „Mitgefühl“, „helfen“, „versammeln“ und „Gemeinschaft“ zusammengesetzt sind. Bis auf „versammeln“, was zur Zeit nicht geht, gilt alles uneingeschränkt nach wie vor – das Wort-Bild für März erinnert uns:
Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, bin ich mitten unter ihnen. (Matthäus 18,20)
Bei Matthäus geht es zuerst um eine Gemeinde, die versucht, Gemeindeglieder, die sich gestritten haben, wieder miteinander zu versöhnen, die eingetretene Entfernung und Entfremdung zu heilen. Gemeinsam statt einsam.
Das versuchen wir ja in diesen Zeiten auch, so gut es geht, Gemeinschaft zu bewahren und Einsamkeit zu begegnen: Anstatt uns in der Kirche zu versammeln, gehen wir einzeln dorthin, um zu beten. Anstatt uns zum Gottesdienst versammeln zu können, gibt es die Möglichkeit, mit Pfarrerin oder Pfarrer ins Gespräch zu kommen, wenn er oder sie mit einer Predigt oder Liturgie am Sonntag vor der Kirche oder dem Gemeindehaus anzutreffen ist. Abends von 19 Uhr bis 19.15 Uhr können wir zwar nicht räumlich zusammenkommen, aber im Kispel-Hausgebet bei Kerzenlicht miteinander und füreinander beten und für alle, die jetzt besonders gefordert sind und Verantwortung tragen.
„Gemeinde“, „gemeinsam“, „Geist“, „Miteinander“, „Mitgefühl“, „helfen“, „versammeln“ und „Gemeinschaft“: Über Internet und Telefon, Fernseh- und Radiogottesdienste sind wir verbunden.
Wir wissen nicht, wann wir einander wieder die Hand reichen können, ob zur Begrüßung oder zum Friedensgruß beim Abendmahl. Wann wieder mehr Menschen zusammenkommen dürfen, Familienfeste und andere Anlässe in größerem Rahmen als jetzt im Moment wieder möglich sein werden…
Aber wir erkennen, wie wir auf andere Weise zusammenkommen: Während der letzten Tage kamen immer wieder Anrufe und Mails, die zeigen, unter uns gibt es sehr viele hilfsbereite Menschen, die anderen ihre Unterstützung bei Einkauf oder Kinderbetreuung anbieten.
Mitgefühl, Miteinander, helfen und gemeinsam: Ich freue mich, dass so viele jetzt diese Worte mit Leben erfüllen! Auch Gemeinde, gemeinsam und Geist begleiten uns in diesen Tagen. Gottes Geist stärkt und macht Mut, schenkt Gelassenheit und vertreibt die Angst. Die Gemeinde, die sich jetzt nicht mehr körperlich treffen kann, ist auf andere Weise für die Menschen da: Mit Anrufen, mit Gesprächen von Fenster zu Fenster oder vom Fenster auf den Gehweg, mit Winken vom Auto aus und mit Angeboten, dass man sich melden darf, wenn man Unterstützung braucht.
Da ist Nähe, obwohl wir einander fernbleiben müssen. Für mich wird im Moment erfahrbar: Wo ein Mensch nicht oder nicht nur an sich denkt, sondern auch an zwei oder drei andere
Menschen, da ist Jesu Geist der Liebe am Werk, mitten in unserem – veränderten – Alltag
erleben wir eine heilsame und schöne Veränderung: Jemand denkt an uns. Jemand will uns
eine Sorge abnehmen, sich um uns kümmern, uns helfen.
Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie diese Nähe so erleben dürfen, dass Sie einen Anruf oder
eine Postkarte, einen Brief, eine E-Mail bekommen, oder Ihnen ein Gespräch zeigt, dass
jemand an Sie denkt!
Bleiben Sie behütet und getrost in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes,
Ihre Pfarrerin Katja Pfitzer