Und es geschah des Herrn Wort zu mir...

 

Und es geschah des HERRN Wort zu mir: Jeremia, was siehst du? Ich sprach: Ich sehe einen erwachenden Zweig. Und der HERR sprach zu mir: Du hast recht gesehen; denn ich will wachen über meinem Wort, dass ich's tue. (Jeremia 1,11f)
„Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?“ Diese Worte, nach dem Propheten Jeremia gedichtet, stammen von Schalom Ben-Chorin, einem jüdischen Journalisten und Religionswissenschaftler. 1913 wurde er in München als Friedrich Rosenthal geboren, machte sein Abitur am Luitpold-Gymnasium und studierte an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. 1935 floh er nach mehreren Verhaftungen durch die Nationalsozialisten ins damalige Palästina. 1942 war Schalom Ben Chorin, dessen selbstgewählter Name: Frieden, Sohn der Freiheit bedeutet, neunundzwanzig Jahre alt und der Konflikt zwischen einwandernden Juden und Palästinensern verschärfte sich mit jedem Tag. Gleichzeitig gelangten zunehmend Nachrichten über die massenhafte Ermordung der Juden in Europa nach Pälastina.
Schalom Ben Chorin erinnerte sich später an diese Zeit so: "Wenn ich an kalten Februartagen auf den Balkon vor meinem Arbeitszimmer trat, fiel mein Blick immer wieder auf diesen Mandelbaum, der bereits weiß-rosa Blütenblätter zeigte, wenn alle anderen Bäume ringsum noch winterlich kahl blieben … Wenn ich aber verzagt und hoffnungslos dem kommenden Tag entgegenblickte, haben mich der Mandelbaum und seine geflüsterte Botschaft gestärkt. In den düstersten Jahren des Zweiten Weltkrieges und der beispiellosen Verfolgungen hat sich mir dieses Erlebnis zu einem Lied verdichtet."
Die Mandelblüte erinnerte ihn an die Verse im Jeremiabuch. Und daraus wurde das Gedicht mit dem schlichten Titel "Das Zeichen": Die Blüten des Mandelbaums sind ein Zeichen dafür, dass Hoffnung am Horizont erscheint, dass auch das Schlimme vorbeigeht und es besser wird. Mandelbäume blühen, wenn es noch kalt ist und immer noch die Gefahr besteht, dass es noch einmal eiskalt werden kann.
Nach König David, dessen Psalmen im Gesangbuch stehen, ist wohl Schalom Ben-Chorin der zweite jüdische Liederdichter, dessen Werk ins Evangelischen Gesangbuch aufgenommen wurde: 1981 komponierte Fritz Baltruweit eine Melodie zu Schalom Ben-Chorins Zeilen.
Vielleicht möchten Sie ja das so entstandene Lied im Gesangbuch aufschlagen und nachlesen? Es steht bei der Nummer 655. Die vierte Strophe lautet: „Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt, bleibe uns ein Fingerzeig, wie das Leben siegt.“
In diesem Sinne grüßt Sie Ihre Pfarrerin Katja Pfitzer. Bleiben Sie gesund, gesegnet und geborgen im Vertrauen auf Gottes Nähe!